Cornel Sidler

Drums

 
Cornel Sidler
Spätsommer 1978, irgendwo in der Innerschweiz.
Mit elf Jahren und gänzlich unerwartet wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Ich befand ich mich an jenem lauen Mittwoch, durch halbgöttliche Fügung, in der Tambourengruppe des am Reussufer gelegenen ländlichen Dorfes. Meine Mutter hatte den zukünftigen Kadetten ohne diesen zu fragen  dort angemeldet.
Im grossen, gewölbten Lokal duftete es nach Musik und angefaulten Mundstücken. Die Trommeln in den Regalen glänzten schimmernd in der Abendsonne und mein Herz begann zu rasen. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie diese wunderbaren Instrumente in einer Gruppe von sechs bis acht Könnern bewirbelt, die Welt aus den Angeln katapultieren würden. Was für ein wundervoller, gigantischer Krach musste das sein. Ja, hier war ich richtig!
Gerade als ich in meinem Trommeltraum, wie ein hellenistischer Monarch auf dem Olymp stehend, nochmals zum Wirbel ansetzen wollte, beendete eine Stimme meine Glorie: „In den nächsten zwei Jahren wird das hier deine Trommel sein, Junge“ meinte der Instruktor und übergab mir wohlwollend ein Übungsböckli.
In meinen zarten Kinderaugen manifestierte sich der Aufschrei der ewig Unterdrückten. Ich wollte trommeln und nicht „böcklen“, und dennoch musste ich mich der Tyrannei der Rudiments ergeben.
Nach zwei Jahren Böcklitaining, begleitet von hartnäckiger Bettelei und einer völlig kaputt getrommelten 1970er Mittelstands-Kunstledercouch, war ich endlich im Besitz eines echten Schlagzeugs. Das machte richtigen Krach! Fragt meine Brüder.
Der Rest ist Geschichte.
 
 
 
 
 
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